Exklusiv-Interview mit Heiko Thies (ThiesFX) – Ersteller des “Fan”-Werbespots

27. March 2010 um 1:42 | Von | einsortiert in: Aktuelles, Community, Firmen-News, sonstiges, webOS

Heiko Thies von ThiesFX hat vorgestern ein eigenes Werbevideo zum Palm Pre veröffentlicht. Ganz ohne Budget zauberte er diesen – im Vergleich zur US-Palm-Werbung – sehr ansprechenden Clip in nicht mal einem Tag.

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Alles über seinen Clip erzählte Heiko Thies dem TamsPalm-Autor Jonas Dambacher in einem Exklusiv-Interview.

Jonas Dambacher: Heiko, was machst Du beruflich?

Heiko Thies

Heiko Thies: Hauptberuflich bin ich im weitesten Sinne im Bereich Printdesign tätig. Das Ganze ist eine kleine 2-Mann Abteilung innerhalb eines Großhandels. Wir schreiben da pro Jahr 9 Sortimentskataloge und sind gerade vor kurzem von Quark XPress auf Adobe Indesign umgestiegen. Gelernt hingegen hab’ ich damals mal Groß- und Außenhandelskaufmann. Ich bin aber gleich nach der Ausbildung in diesen etwas – sagen wir mal – kreativeren Bereich “gerutscht”.
Amateurfilme, Independentfilme, Motion Graphics, Animationen und visuelle Effekte hingegen sind mein privates “Steckenpferd” und allesamt in den letzten Jahren durch pures Interesse und Spaß am Hobby entstanden. Die dazu nötige Kenntnis habe ich mir selbst angeeignet. Inzwischen werkle ich in meiner Freizeit nebenberuflich als Freelancer hin und wieder in diesem Segment und versuche gerade das ganze unter “ThiesFX” ein wenig auszuweiten. Wer also auf diesem Gebiet noch jemanden sucht, kann sich gerne bei mir melden ;)

JD: Wie kamst Du auf die Idee, selbst einen Werbe-Clip zu produzieren?

HT: Die Sache ist recht spontan entstanden. In erster Linie wollte ich nur mal wieder in Sachen VFX ein wenig tüfteln und hatte mir meinen Palm Pre als Kernobjekt des kleinen Clips auserkoren. Es gab auch eigentlich kein sehr festes Konzept: ich wusste nur, dass ich meinen Pre als zentrales Bildelement verbauen und die interessante und vielseitige Optik des Betriebssystems “webOS” als Stilelement nutzen und Handy und Zeitung dabei verschmelzen lassen wollte.. Palms aktueller Werbespot für die Staaten gab mir dabei auch noch eine gewisse Inspiration was den technischen Hintergrund angeht. Mir gefiel die Idee dieser schwebenden Cards des webOS. So hab ich dann halt relativ ziellos drauf los gefilmt und ein paar Durchläufe gemacht. Daraus resultierte dann eben der jetzt bekannte Clip. Erst danach in der Bearbeitung am PC hab ich mich dann auf die eigentliche visuellen Inhalte gestürzt und einfach geschaut, was ich alles vom webOS in diesem kurzen Zeitrahmen visuell interessant einbringen könnte. Der fertige Clip ging dann knappe 20 Sekunden und war bereits vor einer Woche fertig. Erst danach kam mir die Idee das ganze als Grundlage eines fiktiven Werbespots zu nutzen. So hab ich dann gerade bevor ich den Clip dann letztlich bei YouTube hoch geladen habe, erst die letzten Änderungen vorgenommen. Danach ging das Video dann direkt online bei YouTube und die Sache nahm ihren Lauf …

JD: Dein Clip ist innerhalb von nur 24h unglaublich populär geworden. Kannst du dir diesen Erfolg erklären?

HT: Nun ich mache kleine Clips, Filme und Effekte jetzt schon seit einigen Jahren und habe noch nie einen vergleichbaren Effekt damit erzielt, wie mit diesem Clip. Ich bin auch klar der Meinung, man braucht entweder etwas, was einfach noch nie jemand zuvor gemacht hat oder einfach etwas was schon so bekannt ist, das die Chancen extrem hoch sind, dass es bei Suchanfragen schnell gefunden wird.
Ich denke in meinem Fall war es wohl so, dass das Timing einfach gestimmt hat und ich irgendwo gerade scheinbar den genau richtigen Nerv bei den Leuten getroffen habe. Leider muss man ja sagen, dass Palm in den letzten Wochen keinen sehr guten Stand in den Online-Medien hatte und offensichtlich die Mehrheit der Palm Pre- und Pixi-Nutzer einfach auch sehr unzufrieden mit Palms bisheriger Werbestrategie ist. Ich bin auch der Meinung das Palm mit dem zuletzt veröffentlichten Spot “Life moves fast. Don’t miss a thing.” der erste richtig gute und massentaugliche Wurf gelungen ist. Dies scheint besonders in den Staaten ein größeres Problem zu sein.

O2 Deutschland zum Beispiel hat zum Launch-Termin des Pre hier in Deutschland einen wirklich eindrucksvollen und interessanten Werbeclip hingelegt, den ich durchaus ansprechend fand. Etwas vergleichbares gab es für die Staaten bisher nicht. Da wurde das Pre durch eher merkwürdige und fast schon nichtssagende Clips beworben, die viele Leute scheinbar irritiert haben. Dies spiegelt sich auch in vielen der Berichten die heute so im Web kursierten wider. Leider wird mein Clip zwar jetzt in den höchsten Tönen gelobt, aber meist, um Palm im gleichen Atemzug wieder eins aus zu wischen: nach dem Motto “Wieso kann irgendein Niemand mal eben einen besseren Spot ohne jegliches Budget produzieren, als Palm das ganze letzte Jahr?”. Das war sicherlich nicht meine Intention dahinter, aber man kann auch schlecht steuern, was die Medien aus so einer Sache machen, wenn sie erstmal im Umlauf ist.

JD: Hast Du mit Palm zusammengearbeitet?

HT: Nein, ganz und gar nicht. Ich hatte nicht mal eine helfende Hand während der Erstellung des Clips. Ich war aber extrem erfreut auf Twitter lesen zu können, das Palm den Link zu meinem Clip weitergereicht hat. Etwas offizielles von Palm selbst hab ich aber bislang nicht gehört.

JD: Würdest du auf ein Angebot von Palm eingehen?

HT: Es wurde ja witziger Weise extrem viel geschrieben auf YouTube, als auch anderswo in den Berichten, dass Palm seine Werbeleute feuern und mich einstellen sollte. So einfach wird´s wohl kaum werden und ich bin auch kein Werbefachmann. Ich denke man muss einfach nur von einer Sache selbst überzeugt sein, um zu zeigen was so toll daran ist. Aber die Werbebranche tickt da sicherlich noch etwas anders oder würde sich mit einer so simplen Binsenweisheit wohl kaum zufrieden geben. Dafür steckt da viel zu viel Geld drin. Was ich aber definitiv finde: Palm sollte aus dieser kleinen Überraschung lernen, dass virales Marketing extrem mächtig sein kann. Virale Werbespots sind extrem viel günstiger in der Produktion und können mitunter eine viel größere Zielgruppe ansprechen als jeder TV Spot. Das schöne ist ja, wenn ich einen viralen Spot auf YouTube habe, der den Leuten gefällt und das Interesse weckt, dann empfinden die Leute dies jetzt nicht als nervige Werbeunterbrechung wie sonst, sondern sie schauen es freiwillig, dann wann sie Zeit haben.
Inwieweit man also überhaupt davon sprechen könnte, das Palm mir irgendeine Art von Angebot unterbreiten würde, sei also mal dahin gestellt. Ich will mir da auch selbst keine Illusionen machen.

JD: Kannst du uns etwas über die graphischen Effekte erzählen

HT: Der grundlegende Trick an dem Clip ist “relativ” einfach: Alles im Video ist real gefilmt worden, bis eben auf die Inhalte auf dem Handydisplay und der linken Seite des Magazins. Um hier später das Material einzubauen, welches ich haben wollte, habe ich einfach jeweils auf dem Pre und der Zeitung eine grüne Fläche mit Markierungen gehabt. Im Magazin war es eine einfache grün bedruckte DIN-A4-Seite mit dunkelgrünen Kreuzen drauf und auf dem Display des Pres hab ich einfach ein ähnliches Bild anzeigen lassen.
In der Nachbearbeitung wird dann das Grün raus gefiltert (wie man es eben aus diversen Filmen oder auch dem Wetterbericht kennt). So entsteht ein Loch im Video, in das man eben neue Inhalte einfügen kann. Die Bewegungen meiner Kamera habe ich dann am PC errechnen lassen, damit die später eingefügten Grafiken, diese Bewegungen nachempfinden und alles wie aus einem Guss wirkt.

Der inhaltliche Teil, sprich die Aufnahmen vom webOS, wurden dann am PC erstellt mittels des Palm-Emulators. So konnte ich bequem die verschiedenen Apps in Aktion aufzeichnen. Der klare Vorteil dabei ist, man bekommt ein 1:1 Video des Inhalts und keine abgefilmte Version vom echten Handy, was den Effekt sicherlich geschmälert hätte. Das war´s eigentlich auch schon, der Rest war nur noch ein wenig Feinarbeit, wie nachträgliche, künstliche Zooms und Unschärfen.

JD: Wie viel Arbeitsstunden und Kapital hast du in das Projekt investiert?

HT: Nun ich fürchte, das könnte der Part sein, wo Palm sich vielleicht wirklich etwas ärgert. Für den eigentlichen Inhalt des Clips habe ich nicht mal einen Tag gebraucht, plus noch mal vielleicht 2-3 Stunden für die restlichen Texte am Ende, welche ich erst ein paar Tage später hinzugefügt hatte. Finanziell kann man das schlecht ausdrücken denn im Prinzip hat mich der Clip jetzt gar nichts gekostet. Meinen Palm Pre hätte ich mir – auch ohne die Idee Monate später einen Clip darüber zu drehen – letztes Jahr im November gekauft ;) Meinen Camcorder habe ich sowieso bedingt durch mein Hobby, genauso wie die Programme mit denen ich fast tagtäglich tüftle. Auch die Musik für den Clip habe ich bereits gehabt. Die ist Bestandteil einer Gema-freien Musik-Sammlung, welche ich bereits vor über einem Jahr gekauft hatte. Wenn man es also unbedingt unter wirtschaftlichen Aspekten betrachten will, hat mich der Clip jetzt zwei Din A4 Seiten Papier, ein wenig Pritt Kleber, ca. 1 Schachtel Zigaretten, ein paar Nerven und etwas Druckertinte gekostet …

JD: Vielen Dank für die Beantwortung der Fragen! Ich hoffe, dass du weiterhin so erfolgreich bist und wir mehr von dir hören bzw. vor allem sehen werden.

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